Grauhörnchen

Invasion der Grauhörnchen

Das Europäische Eichhörnchen (Sciurus vulgariswird in Großbritannien so stark vom eingebürgerten Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) bedroht, dass es dort fast ausgestorben ist. Die selbe Gefahr droht den heimischen Eichhörnchen in Irland und Schottland. Auch in Italien wurde um 1940 das Grauhörnchen angesiedelt. Ein Grauhörnchenpärchen wurde von einem Italiener nach einem Besuch in England in der Nähe von Turin freigelassen. Inzwischen haben die nordamerikanischen Nager die Populationen der Eichhörnchen in Norditalien fast verdrängt und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die Schweiz von den Grauhörnchen erobert wird.

Grauhörnchen
Grauhörnchen

Das einheimische Europäische Eichhörnchen hat viele natürliche Feinde. Der flinke Baumbewohner steht z.B. auf der Speisekarte von Baummarder, Mäusebussard und Wildkatze. Keiner dieser Räuber war jedoch in der Lage, den Bestand des Eichhörnchens so massiv zu dezimieren oder auszurotten.

Erst das im 19. Jahrhundert in Großbritannien eingebürgerte größere Grauhörnchen wurde zur echten Bedrohung für das heimische Eichhörnchen.

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Was macht das Grauhörnchen so gefährlich für unser Europäisches Eichhörnchen?

Obwohl das Europäische Eichhörnchen und das Grauhörnchen miteinander verwandt sind, gibt es doch einige Unterschiede zwischen den beiden Nagern. Die Verwandten aus Nordamerika sind größer, schwerer und aggressiver als Eichhörnchen. Beide Arten streiten sich aber vorwiegend um das gleiche Nahrungsangebot. Allerdings verzehren die Grauen auch Eicheln, die wegen der Gerbstoffe vom Eichhörnchen verschmäht werden. Wie der Name schon sagt, ist das Fell der amerikanischen Nager grau. Aber wie beim Europäischen Eichhörnchen auch, gibt es Abweichungen bis ins Schwarze bei der Fellfarbe. Außerdem fehlen dem Grauhörnchen die für das Eichhörnchen typischen Haarpinsel an den Ohren.

Vorteile im Winter

Grauhörnchen legen wie die Eichhörnchen im Herbst Vorräte für den Winter an. Dem Artverwandten fällt es im Winter leichter, die vergrabenen Nahrungsvorräte wiederzufinden. Es plündert auch die Lager der Eichhörnchen, so das diese den Winter oft wegen Nahrungsmangel nicht überleben.

Wurf der Grauhörnchen ist größer

Ein weiterer Grund für die Verdrängung der heimischen Eichhörnchen liegt an der Nachkommenschaft der Grauhörnchen. Sie vermehren sind durch zwei größere Würfe im Jahr schneller als Eichhörnchen.

Eingeschleppte Krankheiten

Die größte Bedrohung durch das amerikanische Hörnchen ist die Verbreitung der Hörnchenpocken (Parapoxvirus) unter den Eichhörnchen. Als Überträger der Hörnchenpocken ist selber immun gegen die Krankheit. Für das Eichhörnchen bedeutet eine Ansteckung meist der sichere Tod. Biologen befürchten, dass mehr als die Hälfte der grauen Hörnchen den Virus in sich tragen. Eine Ansteckung erfolgt meist durch die gemeinsame Nutzung der Nester (Kobel) und Futterstellen. Blutende und eiternde Hautgeschwüre sind Begleiter der Krankheit. Zu schwach für die Nahrungssuche verhungert das Eichhörnchen oder stirbt an einer Blutvergiftung. Ein Impfstoff gegen das Virus wurde bisher noch nicht entdeckt.

Gefahr für Laubwälder

Nicht nur die Eichhörnchen leiden unter der Invasion der grauen Hörnchen, sondern auch der Wald. Das Abnagen der Baumrinde von Laubbäumen, schwächt Ökosysteme durch das Absterben der für Eichhörnchen zum Überleben benötigten Laubbäume. Die Überlegenheit der amerikanischen Verwandten beschränkt sich daher auf Laub- und Mischwälder. In Nadelwäldern können sich Eichhörnchen noch behaupten.

Bedrohung für Deutschland

Laut der Naturschutzorganisation „NABU“ gibt es in Deutschland noch keine Hinweise, dass Grauhörnchen bereits freilebend vorkommen oder unmittelbar zu erwarten sind. Bei bisherigen Einzelmeldungen dürfte es sich in der Regel um graue Farbvarianten des Eichhörnchens handeln. Sobald jedoch eine Ausbreitung in Frankreich, Österreich oder der Schweiz stattfindet, ist der Sprung nach Deutschland vorgezeichnet.

Interessant ist, wie bei allen eingeschleppten Arten der Fall, das Grauhörnchen in ihrer angestammten nordamerikanischen Heimat, wenig oder keinen Schaden verursachen.